• Stefan Fuchs

David Graeber über moderne Staaten: Kapital und Sklaven

Aktualisiert: Apr 12

Der Mythos vom "freien Markt"

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David Rolfe Graeber († 2020) war ein Kulturanthropologe und Publizist aus den USA. Er war einer der Initiatoren der "Occupy Wall Street" Bewegung. Er gilt als einer der bedeutensten Kritiker des kapitalistischen ökonomisch-sozialen Systems. Dieses verurteile die Masse der Menschen zu sinnloser Tätigkeit, obwohl die technische Entwicklung schon seit Jahrzehnten eine 15-Stunden Arbeitswoche möglich macht. Er gilt als herausragender Vertreter der anarchistischen Anthroplogie. Dazu führen Peter Niedersteiner und Falko Zemmrich aus: "Keine Scheu zeigt Graeber davor, klar Stellung zu beziehen...Die Anthropologie sei besonders geeignet für die Offenlegung alternativer Strukturen, da sie die einzige und letzte Wissenschaft ist, die sich mit staatenlosen Gesellschaften beschäftigt und gezeigt hat, dass der Staat nur in einer sehr kurzen Spanne der Menschheitsgeschichte in Erscheinung getreten ist... Des Weiteren sollte die Ethnologie nicht müde werden, zu betonen, dass der Staat und die Nation eine „imaginary totality par excellence“sei..., also eine gemeinschaftliche Vorstellung der Zusammengehörigkeit, die zwar Auswirkungen auf die Realität hat, jedoch selbst nur in den Köpfen der Menschen existiert. Von Natur aus gibt es keine Staatsbürgerschaften oder staatlichen Grenzen. Diese Kategorien existieren nur in den menschlichen Köpfen und treten in Symbolen und Ritualen zutage. Erst der feste Glaube an die „Imagined Community“ lässt uns zu der Überzeugung kommen als „Deutsche“ geboren zu sein und "dazu zu gehören."


s. auch: David Graeber: "Schulden: die ersten 5000 Jahre." Klett-Cotta 2012

Stefan Fuchs ist ein bekannter Journalist und Autor. In seinem Buch "Hypermacht USA" erweist er sich als intimer Kenner amerikanischer Kultur und Politik. "Die USA experimentieren mit einer zukünftigen Kultur universeller Verfügung. Verfügung über sich, über andere. Verfügung über Sprache, über Natur. Der ungezügelte Drang nach Steigerung der Macht über Waren, Geld, Bilder, Körper, über den Tod selbst bildet die Triebfeder der US-Kultur und garantiert zugleich ihre Universalität. Nur wer in diese Tiefenzonen des amerikanischen Selbstverständnisses vordringt, begreift, was die Rede vom »Modell« Amerika wirklich bedeutet".

Das Gespräch mit David Graeber wurde 2013 in London aufgezeichnet.