• Christoph Burgmer

Zum Tod von Wolfgang Wippermann (3.1.2021): Wider die Berliner Republik

Aktualisiert: Feb 9



Wolfgang Wippermann lehrte am Institut für Geschichtswissenschaft der FU Berlin. Zweimal hatte ich das Vergnügen, ihn zu treffen. Er nahm Teil an Gesprächsreihen zum Thema "Rassismus" und "Verschwörungstheorien" für den Deutschlandfunk in Köln (Das Gespräch über Verschwörungstheorien ist hier hinterlegt.). Das war aber schon zu einer Zeit, in der die grössten intellektuellen Schlachten der neuen "Berliner Republik" (wie er das geeinte Deutschland mit Verweis auf das wilhelminische Preussen gerne nannte, in dessen Tradition er die neue BRD sah) wie die "Goldhagen-Kontroverse" und die Auseinandersetzungen "Totalitarismus-These" schon geschlagen und verloren waren. Vielleicht deshalb suchte er nach zahllosen Fachveröffentlichungen später den populäreren Weg hin zu einem größeren Publikum. Er musste der konservativen politischen Wende infolge des Anschlusses der DDR an die Bundesrepublik, die dem heutigen rechten Populismus den Weg bereitete, unbedingt etwas entgegenhalten. Denn für ihn war nichts schlimmer als die Dummheit, zumal die Politische. Die hielt er für gefährlich. Somit reiht sich Wolfgang Wippermann in die Riege der linken Berliner Aufklärer vom Schlage eines Elmar Altvaters oder eines Johannes Agnoli ein. Sie allen nutzten die Universität als Institution der Aufklärung, als Ort, von dem aus man sich einmischt, Flagge zeigt und den politischen Diskurs um die Emanzipation vorantreibt. Gegen jedweden rassistischen Populismus.